Beten – eine nachhaltige Verbindung
von Christoph Maas
„Beten“ beschreibt eine überirdische Kontaktaufnahme. Zu allen Zeiten haben Menschen gebetet, wenn sie in Not
waren oder sich bei Gott bedanken wollten. Das berühmteste Gebet, das „Vaterunser“ hat jeder schon mal gehört
oder sogar mitgesprochen. Beobachtungen zeigen, dass jeder Mensch mal betet, auch wenn er sich dessen nicht
bewusst ist: „Gott sei Dank“, wenn sich eine schwierige Situation gelöst hat. „Oh mein Gott“ wenn sich jemand
erschrocken hat. „Oh Gott, o Gott!“ Das Gebet der Hilflosigkeit. „Jesus Maria“, so hört es sich oft in Bayern an.
„Gott bewahre!“ als Stoßgebet vor einer Bedrohung. Das sind die kürzesten Gebete, die es gibt. Sogar Menschen,
die betonen, dass sie nicht glauben, sprechen in bestimmten Situationen solche Kurzgebete, oft sogar unbewusst.
Auch von bekennenden Atheisten habe ich diese Worte gehört.
Prominente beten
Von vielen Prominenten ist bekannt, dass sie beten. Der frühere Tagesschausprecher Constantin Schreiber erzählt
öffentlich von seinem Gebetsleben. Für den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder ist das Gebet fester
Bestandteil seines Lebens. Peter Maffay betet regelmäßig. Professor Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen
Bank, ein Mann der nüchternen Zahlen und Analysen, vertraut auf das Gebet. Er sagt: „Beten ist angesagt. Ich bete
nicht nur für Gesundheit und Arbeitsplätze, auch für politische Stabilität und für Frieden zwischen den Völkern.“ Der
Rapper Sido sagt: „Ich bete für Knete“. Der Schauspieler Christoph Maria Herbst betet regelmäßig: „Ich glaube an
die Wirkmacht des Gebetes.“ Fußballspieler Miroslav Klose: „Ich bete für Gesundheit für mich und meine Familie.“
Der ehemalige Rad-Profi Jan Ullrich bekennt: „Ich bete eigentlich jeden Tag, obwohl ich nicht der Kirche angehöre.
Ich glaube an eine höhere Macht. Ich bete, dass meine Liebsten Glück und Gesundheit haben, denn das sind die
Voraussetzungen, um alles zu erreichen. Wichtig ist, dass man immer auf dem richtigen Pfad bleibt.“
Einige Prominente betonen einen wichtigen Hinweis, dass man zum Beten nicht unbedingt eine Kirche braucht. Die
kritische Haltung vieler Menschen den Kirchen und Freikirchen gegenüber ist gewachsen. Das Vertrauen hat
merklich abgenommen. Doch der Glaube bleibt unabhängig davon.
Gebet als Kindheitserfahrung
Das Gebet vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit. Kinder zeigen ein natürliches Empfinden dafür. Das Abendgebet
von Mama oder Papa am Bett schafft eine Atmosphäre des Friedens. Viele Eltern segnen ihre Kinder, bevor sie das
Haus verlassen, um zur Schule zu gehen. Mit Tränen der Dank-barkeit haben mir Menschen erzählt, wie viel es
ihnen bedeutet hat, dass ihre Eltern mit ihnen gebetet beteten. Eine tiefgehende Erfahrung, die das weitere Leben prägt.
Auf der Suche nach spirituellen Erlebnissen
Ein Neunzehnjähriger fragte mich, ob ich ihm beweisen könne, dass es Gott gibt. Nein, natürlich kann ich es nicht.
„Frage ihn doch selbst!“ empfahl ich ihm. „Wenn er antwortet, dann weißt du Bescheid. Wenn nicht, dann vergiss
es!“ Einige Minuten blieben wir beide still. Der junge Mann schaute mich fragend an. Dann schloss er die Augen.
Ich sah, dass er betete. Als er die Augen wieder öffnete, strahlte er mich an. „Er hat geantwortet. Ich gehöre jetzt zu ihm.“
Vielen Menschen fehlt der Zugang zu spirituellen Erfahrungen. Besonders in der ehemaligen DDR wurden die
Menschen rein materialistisch erzogen, weil die Staatsführer in ihrer Beschränktheit große Angst vor einer höheren
Autorität hatten. Heutzutage lerne ich Menschen mit DDR-Prägung kennen, die im späteren Leben das Vakuum in
sich entdeckten und sich auf die Suche gemacht haben.
Gebetsangebote
In vielen Kirchen stehen Tafeln, an die Besucher kleine Zettel mit Gebetsanliegen heften können. Auch in
Autobahnkirchen sehe ich dieses Angebot. Wie viele Zettel dort hängen, überrascht mich immer wieder. Jeden Tag
müssen die Tafeln wieder freigemacht werden.
Es gibt Website ́s für das Gebet, beispielsweise „amen.de“, wo man seine Gebetsanliegen eingeben kann. Und
dann greifen anonyme Beter die Anliegen auf. In Augsburg steht bereits viele Jahre ein Gebetshaus, in dem
vierundzwanzig Stunden, rund um die Uhr gebetet wird. Dieses Haus gibt es nur für ́s beten. Zu jeder Tages- und
Nachtzeit sind dort Ehrenamtliche im Einsatz, so dass die Gebets-kette nicht abreißt. In der Stadt Augsburg hat
sich vieles zum Vorteil entwickelt, seitdem es das Gebetshaus gibt: Die sozialen Verhältnisse entspannten sich.
Arbeitslosigkeit nahm ab. Im Rathaus beobachtet man mehr Einigkeit bei wichtigen Themen. Die Gewalt hat
abgenommen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Erlebnisse mit Gebetserhörungen
An dieser Stelle muss ich dir unbedingt eines meiner vielen Erlebnisse mit dem Beten erzählen: Anfang der
achtziger Jahre habe ich mit wenigen Gleichgesinnten in Saarbrücken einen christlichen Treffpunkt mitten in der
Stadt in einem Versicherungshaus an der Stengelstraße gegründet. Geldmangel begleitete uns ständig. Weil immer
mehr Studenten zu uns kamen, brauchten wir wenigstens eine kleine Küche. Bei einem Anbieter fanden wir
geeignete Möbel ohne Geräte für 475,84 DM. Das Geld hatten wir nicht! Also beteten wir, Gott möge uns den
Betrag schenken. Vertrauensvoll bestellten wir die Küchenmöbel. Ein paar Tage später rief mich unser Kassierer
an: „Setz ́ dich mal hin! Genau dieser Betrag in Höhe von 475,84 DM ist auf dem Konto eingegangen.“ Ich traf den
Mann, der die Überweisung getätigt hatte, ein paar Wochen später. Nein, er habe nichts von unserem Wunsch
gewusst. Er fühlte sich auch nicht im Glauben mit uns verbunden. Ein Mal war er mit seiner Frau bei uns gewesen.
„Genau dieser Betrag ging mir ständig im Kopf rum und die Aufforderung, genau diesen Betrag an Euch zu
überweisen.“ Danach fand er Ruhe. Vielleicht denkst du jetzt, ich hätte mir diese schöne Geschichte ausgedacht.
Doch es ist kein Fake. Diese Gebetserhörung hat uns damals mutig nach vorne schauen lassen. Der Spender
überwies uns übrigens in der Folgezeit immer wieder mal einen schönen Geldbetrag, einen glatten, obwohl er und
seine Frau sich nie mehr bei uns sehen ließen. Jemand hat mal gesagt: „Gott hat sein Geld in den Taschen derer,
die sich von ihm gebrauchen lassen.“
Gebet zeigt seinen Effekt nicht nur in den sonnigen Erfahrungen des Lebens, sondern auch dann, wenn es ganz
schwer wird. Ich habe in den neunziger Jahren eine achtundzwanzigjährige junge Frau im Sterben begleitet. Eine
Ingenieurin. Sie lebte auf der onkologischen Station der Uni-Klinik in Hannover. Als ich sie wieder mal besuchte,
saß sie auf ihrem Bett und strickte an einem Pullover für ihren Mann. Der Stationsarzt erschien. „Ich kann nur
staunen, wie stark Mechthild ist. Sie gibt uns allen Kraft“ sagte er zu mir. Sie hat jedem von ihrem Glauben erzählt.
Und, dass sie ständig im Gebet mit Jesus Christus verbunden sei. Deshalb gehe es ihr seelisch gut. Natürlich wäre
sie froh gewesen, weiterhin ihre glückliche Ehe genießen zu können. Ich sah ihr blau unterlaufenes Gesicht. „Wie
Jesus es macht, so ist es gut“ gab sie mir mit auf den Weg. Zwei Tage später starb sie. In ihrer Wohnung zeigte ihr
Mann mir den angefangenen Pullover.
Auch einfacherere Erlebnisse mit dem Beten kenne ich. Im Dienst war ich mal telefonisch aufgehalten worden.
Nicht aufschiebbar. Ich musste wenig später eine Sitzung leiten und wusste, dass in dem Stadtgebiet an normalen
Wochentagen immer alles zugeparkt war. Ich betete unter Druck: „Jesus, du musst mir jetzt einen Parkplatz geben.
Andere Autofahrer suchten zur selben Zeit. Und dann sah ich, wie ein Auto direkt vor mir aus der Parklücke ausbog
und wegfuhr. Auf den Zeitpunkt genau betrat ich das Gebäude.
Gebets-Frust
Neben den verblüffenden Erfahrungen kann das Gebet auch eine kämpferische Plattform sein. Im irdischen Leben
würde mancher Gebets-Nutzer Anzeige auf Schadensersatz erstatten, weil die „Vertragsbedingungen“ scheinbar
nicht erfüllt wurden. Enttäuschung, Frustration bis hin zur Bitterkeit können Gebete hervorrufen. Vertrauen wackelt.
Darf ich einen Vergleich nutzen? Eltern erfüllen ihren Kindern auch nicht jeden Wunsch. Pädagogen warnen sogar
davor. Heranwachsende müssen von der Lebensrealität geschliffen werden, um ihr eigenes Leben zu bewältigen.
Vielleicht hilft dir dieser Vergleich nicht weiter. Im Vaterunser heißt es ausdrücklich „Dein Wille geschehe.“ Warum
soll ich dann überhaupt beten? Eine berechtigte Frage. Es geschieht doch sowieso, was Gott will. Müssen wir ihn in
die Reihe der Despoten einordnen. Oder ist es nur eine Einbildung, dass er tatsächlich auf Gebete antwortet? Ein
gründlicher Blick in die Bibel hilft weiter, dem ältesten und sichersten Dokument der Glaubensgeschichte. Ohne
Gebet geht da überhaupt nichts. Sogar Jesus hat zu seinen Erdenzeiten gebetet. Beten als basic im Leben. Wer
nicht zur betenden Community gehört, entzieht sich selbst einer bedeutenden Lebenswirklichkeit, die sich nach und
nach entdecken lässt. Leider wird einem der Schaden erst im Nachhinein bewusst. Gebetsverweigerer leben auf
dünnem Eis, denke ich als leidenschaftlicher Beter.
Beten fördert die Gesundheit
Bei der Betrachtung des Betens dürfen die gesundheitlichen Aspekte nicht fehlen, die nicht nur die Seele, sondern
auch den Körper betreffen. Beten stärkt das Selbstwertgefühl, weil es bewusst macht, wie sehr Gott mich
wertschätzt. Hat er doch das Gebet ins Leben gerufen. Beten schafft in kritischen Herausforderungen
Gelassenheit. Es vermittelt Zuversicht, weil ein Beter sich geborgen fühlt. Beten senkt den Blutdruck und hilft,
depressive Störungen zu überwinden, die durch belastende Erfahrungen hervorgerufen wurden. Beten zeigt sich
als wichtiger Heilfaktor bei Angststörungen.
Zum Beten brauche ich keinen Termin. Ich darf dieses befreiende Angebot zu jeder Tages- und Nachtzeit nutzen
und mich dabei in Gottes unmittelbarer Gegenwart wissen. Bei Gott hängt kein Sprechzeitenschild. Seine Tür steht
immer weit offen. Krankenkassen sparen dadurch viel Geld ein.
Gebetsverbot
Warum hat es eigentlich noch nie eine Initiative zum Gebetsverbot gegeben? Meine Vermutung ist, weil in allen
gesellschaftlichen Gruppierungen Menschen beten, wie akademische Untersuchungen zeigen. Viele hochkarätige
Wissenschaftler, Spitzenpolitiker, Unternehmer können sich ihr Leben ohne Gebet überhaupt nicht vorstellen. Im
Iran und anderen islamischen Ländern wurde das Gebet zum Gott der Christen unter Strafandrohung gestellt.
Im Gebet liegt ein Geheimnis, das sich erst nach und nach erschließt. Und das ist die Liebe. Aber nicht die Liebe,
wie wir Menschen sie empfinden, sondern als Hingabe Gottes, wie sie in Jesus Christus Wirklichkeit geworden ist.
Diese Liebe echter Geborgenheit empfindet der Beter. Von der göttlichen Macht getragen. Deshalb hat das Beten
auch eine gesellschaftliche und politische Dimension. Weil Gott in weit größeren Zeiträumen denkt, zeigen sich die
Veränderungen oft nicht so schnell wie wir Menschen es uns wünschen. Ein bedeutendes Beispiel dafür bleibt die
friedliche Revolution mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung.
Beten beeinflusst Gottes Entscheidungen
Ja, durch beten können wir Gottes Handeln beeinflussen. Dafür bietet die Bibel viele Beispiele. Gott selbst sagt
einmal: „Es hat mich gereut das Unheil, das ich euch angetan habe.“ (Jeremia 42, 10) Noch deutlicher ist eine andere
Aussage: „Siehe, Gottes Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht taub
geworden, sodass er nicht hören könnte.“ (Jesaja 59, 1)
Ausprobieren
Vielleicht hast du bisher eine Gebets-Abstinenz gepflegt, weil du beten für sinnlos und vergeudete Zeit gehalten
hast oder für Spinnerei und Einbildung. Sollte ich dich mit diesem Artikel ein wenig neugierig gemacht haben, dann
versuche es doch einfach mal. Und wenn du dich unsicher fühlst, biete ich dir hier ein paar vorformulierte Gebete
an. So etwas gibt es sogar in der Bibel. Und dann mach ́ es doch einfach mal! Nimm dir eine Hand voll Stille und
bete die Worte bewusst, am besten sogar mehrmals und in den nächsten Tagen. Ergänze die Gebete ruhig mit
deinen eigenen Gedanken! Höre in dich hinein, ob sich dabei etwas in deiner Seele bewegt. Gib Gott die
Gelegenheit, sich bei dir zu melden!
Mustergebete
Gebet eines Skeptikers:
Ich weiß gar nicht, ob sich ein Gebet überhaupt lohnt. Ja, und ob es dich überhaupt gibt, Gott. Bisher hat beten gar
keine Bedeutung in meinem Leben. Ich wurde ganz anders erzogen. Und bin eigentlich zufrieden mit meinem
bisherigen Leben. Wenn beten mir tatsächlich etwas bringen soll, dann beweise es mir bitte. Ich spüre einen
gewissen Widerstand in mir. Aber ich will es einfach mal ausprobieren. Amen.
Hinweis:
„Amen“ stammt aus der hebräischen Sprache und ist ein Bestätigungswort: Ja, so ist es!
Gebet in Not:
Mir geht es nicht gut, seelisch und auch körperlich. Aus den letzten Tagen schwirrt mir so vieles im Kopf herum. In
der Nacht schlafe ich schlecht. Ob ich bei dir Ruhe finden kann, Gott? Ich habe gehört, dass du Frieden schenkst.
Das wäre wunderbar. Leider kenne ich dich ja gar nicht und weiß noch nicht mal, ob es dich wirklich gibt. Von Jesus
erzählt man ja auch manches, was sich super anhört. Also, wenn du wirklich auf Gebete reagierst, in mir würdest
du einen dankbaren Empfänger finden. Vielleicht spreche ich dich direkt an, Jesus? Bitte hilf mir, wenn du es
kannst. Amen.
Gebet eines Suchenden:
Gott, mit dem Glauben, das will irgendwie nicht so richtig gelingen. Formal bin ich Mitglied in der Kirche, allerdings,
ohne am Gemeindeleben teilzunehmen. Ja, ich frage mich schon, ob es außerhalb unserer sichtbaren Welt noch
etwas gibt. Oder, ob unser irdisches Leben alles ist. In Youtube sehe ich mir schon mal religiöse Beiträge an. Als es
mir sehr schlecht ging, habe ich so ein Stoßgebet losgelassen. Ich bin mir aber unsicher, ob das jemand da oben
gehört hat. Meine Eltern haben mich taufen lassen. Aber, ob das was bringt? Gott, ich möchte dich schon
kennenlernen. Oder soll ich Jesus ansprechen? Wenn das geht, dann berühre bitte irgendwie mein Herz. Amen.
Dankgebet:
Jesus Christus, ich danke dir einfach mal für mein bisheriges Leben. Für Freunde und überhaupt für gute Beziehungen.
Ich danke dir für meine Fähigkeiten. Auch für meine Arbeitsstelle. Danke, dass ich gesund sein darf. Und, dass ich
in einem freien Land lebe, in dem es alles gibt, was ich zum Leben brauche. Danke für die gute Bildung, die wir in
Deutschland genießen. Für den Wohlstand. Für eine großartige medizinische Versorgung. Danke für die
reichhaltige Kultur, wo für jeden etwas dabei ist. Danke für großzügige soziale Strukturen in unserem Land. Danke,
dass sich in allem deine Liebe zeigt. Amen.
Ein Wort zum Schluss
Wenn du Fragen hast oder Unterstützung benötigst, dann sprich jemanden an, der Erfahrungen mit dem Beten hat.
Du darfst dich auch direkt an mich wenden. Nutze dazu ganz einfach das Kontaktformular in dieser Website. Ich
werde dir ganz bestimmt antworten und versuchen, dir weiterzuhelfen.
Es bleibt mir jetzt nur noch, dir tiefgehende Erlebnisse mit dem Beten zu wünschen. Gott behüte dich!